Branchenzuschläge in der Zeitarbeit: Jobkiller und Umsatzeinbrüche oder Zukunftschance einer für die deutschen Wirtschaft wichtigen Branche?

3. Juli 2012

Noch vor einigen Wochen ist die gesamte deutsche Presse über die Zeitarbeitsbranche wegen angeblich immenser Lohndifferenzen zwischen Zeitarbeitnehmern und vergleichbar tätigen Mitarbeitern in den Entleihunternehmen hergefallen. – Nachdem nun die ersten ab 01.11.2012 geltenden Tarifverträge über Branchenzuschläge in der Metall- und Elektro- sowie der Chemischen Industrie vereinbart wurden, werden in Kürze in diesen und voraussichtlich weiteren Branchen die Lohnunterschiede durch die Annährung an die Vergleichslöhne der Stammmitarbeiter (Equal-Pay) minimiert sein. - Aktuell nun verbreiten Presse und Medien über Horrorszenarien über “Umsatzeinbrüche” in der Zeitarbeit (FAZ) bzw. Übernahme von über 6.000 Zeitarbeitern beim Automobilhersteller BMW in und malen mit der Befürchtung der Lohnzuschläge als ”Jobkiller für die Schwächsten” (Die Welt) den “Teufel an die Wand”. – Erkennbar wiederholt sich die Gier der Tagespresse aufgrund mangelnder Fach- und Branchenkenntnisse die Branchenereignisse als Headlines zu vermarkten! – Doch wie sieht die Realität tatsächlich aus?

Große Bemühungen der Zeitarbeitsbranche mit großen Engagement und Aufwand
Equal-Pay bzw. “Gleiches Geld für gleiche Arbeit” ist seit Jahren der Slogan, mit dem Gewerkschaften, Politiker sowie Presse und Medien die Entgeltdifferenzen zwischen Zeitarbeitnehmern und vergleichbar tätigen Arbeitnehmern in der Wirtschaft öffentlich zum Hauptthema der Arbeitnehmerüberlassung in Deutschland machen.
Mit großem Aufwand und Bemühungen sowie monatelangen Tarifverhandlungen haben die Zeitarbeitsverbände zwischenzeitlich Tariflösungen zur Annährung an Equal-Pay mittels Zuschlägen für zwei Branchen zum Ergebnis gebracht und sind dabei diese auf die übrigen Branchen zu erweitern. - Aufgrund der Vielzahl der Branchen sowie der dort sehr unterschiedlichen Entgeltstrukturen und -höhen, ist dies kein einfaches Unterfangen.
Die Umsetzung dieser Branchenzuschläge, die an den Vergleichslohn (Equal-Pay) gekoppelt sind, bedeuten für die Zeitarbeitsunternehmen künftig einen deutlich höheren Aufwand und eine bis zum 01.11.2012, d.h. innerhalb von vier Monaten, zu bewerkstelligende massive betriebliche Neuausrichtung bzw. Umstellung. – Doch dieser Zusatzaufwand wird sich nach der Anlaufphase im Frühjahr 2013 wieder deutlich reduzieren, wenn die ersten Erfahrungen vorliegen, die dann die betriebliche Umstellung zum Abschluss bringen.

Keine Umsatzeinbrüche, allenfalls geringer Einsatzrückgang zu erwarten
Die in der Presse verbreitere Befürchtung von Umsatzeinbrüche im Jahr 2013 (siehe FAZ vom 01.07.2012), wie sie unter Bezugnahme  auf eine “Meinungsumfrage” von Lünendonk bei den führenden Zeitarbeitsunternehmen in Deutschland erwartet werden, sind sachlich falsch. Zum einen betrifft diese Meinungsumfrage nur die TOP-25-Zeitarbeitsunternehmen in Deutschland und zum anderen werden die Umsatzzahlen, die allein aufgrund des künftig erhöhten Lohns und damit auch der Stundevergütung seitens der Entleihunternehmen zwangsläufig steigen, kaum rückläufig sein, allenfalls der Ertrag bzw. die Rendite. Die Annahme dass der Markt “vor allem im Bereich der Helfertätigkeiten einbrechen werde” ist daher nur wenig nachvollziehbar, selbst für die 25 umsatzstärksten Unternehmen der Branche nicht.
Tatsächlich wird sich die Zahl der Einsätze, d.h. die Menge der Überlassungsstunden aufgrund Verlagerung der anfallenden Arbeit auf Stammmitarbeiter bzw. externe Werkvertragsarbeitnehmer verringern. Doch auch Experten schätzen diese Gefahr gering ein, da die über 50 % der deutschen Unternehmen, die Zeitarbeit zumindest zeitweise einsetzen, die Zeitarbeit vor allem bei Arbeitsspitzen oder in Zeiten des Aufschwungs nutzen, in denen ihnen häufig keine andere Wahl bleibt.

Zeitarbeit bleibt weiter wichtigster Jobmotor für den deutschen Arbeitsmarkt
Wie Arbeitgeberpräsident Hundt dieser Tage ausdrücklich betont, hat die deutsche Wirtschaft in den letzten zwei Jahren 1,5 Mio. Arbeitsplätze geschaffen, vor allem durch flexible Beschäftigungsformen wie die Zeitarbeit und die damit erzielten Effekte, so dass verstärkt auch Langzeitarbeitslose und Geringqualifizierte vom anhaltenden Job-Boom profitieren. Dieser “Jobmotoreffekt” wird sich zwar durch die Erhöhung der Tariflöhne für Zeitarbeitnehmer leicht verringern, aber nicht wesentlich, da die Zahlen eindeutig zeigen, dass gerade die davon betroffenen Zeitarbeitnehmer im Bereich der Helfertätigkeiten in der Regel kaum über drei Monate im Zeitarbeitsunternehmen beschäftigt sind und bereits jetzt sehr häufig – je nach Branche und Region – übertariflich entlohnt werden. Zuschläge fallen hier maximal in Höhe von bis zu 10 % an, so dass der enorme Kostenanstieg für die Entleihunternehmen nicht zu befürchten und auch die Einsätze sich damit nur geringfügig reduzieren werden.
Insoweit ist das Horrorszenario, wie in der Presse zunehmend häufiger dargestellt (siehe FAZ vom 28.06.2012) nicht realistisch, wie Branchenkenner wissen.

Von Entleihern angekündigte ”Ausweichlösungen” nur Teil des Kostenkampfes
Soweit Entleihunternehmen derzeit äußern, durch die Verteuerung der Zeitarbeit auf Auslandsverlagerung oder Werkverträge umsteigen zu müssen, ist dies häufig ein “Drohgebärde” im Kampf um die künftigen Stundenverrechnungssätze. Hintergrund ist die Tatsache, dass die Entleiher Druck auf die Zeitarbeitsunternehmen machen, damit diese auf die erhöhten Löhne, die von den Personaldienstleistern an die Entleihkunden umgelegt werden müssen, nur die Kosten hierfür 1:1 berechnen, d.h. ohne Marche bzw. Gewinnspanne seitens der Zeitarbeitsunternehmen. – Hiervon dürfen sich die Personaldienstleister aber nicht unbedingt beeindrucken lassen, da die Unternehmen – wie Studien zeigen – häufig gar keine kostengünstige und sichere bzw. kurzfristig realisierbare Ersatzlösung für den Einsatz von Zeitarbeit haben.

Neue Zeitarbeitsära 2.0 bringt Personaldienstleistern große Chancen
Wie sich bereits jetzt zeigt, wird der Umbruch in der Zeitarbeit hin zu einer an Equal-Pay orientierten Entlohnung der Zeitarbeitnehmer für zukunftsorientierte Personaldienstleister sowohl aufgrund des zunehmend besseren Branchenimage als auch der höheren Attraktivität für die viel gesuchten Fachkräfte mittelfristig große Chancen in einem veränderten Markt bieten.
Die Äußerungen von Pessimisten und negativen Verlautbarungen in der Öffentlichkeit bzw. Presse und Medien stellen dabei keine Hindernisse dar, sondern zeigen nur das Ergebnis der großen Unsicherheit vieler hiervon betroffener Akteure dar.
Deutlich wird aber aktuell aber auch, dass der von den Zeitarbeitsverbänden avisierte Weg einer Tariflösung über Branchenzuschläge, auch wenn diese keine vollständige Equal-Pay-Entlohnung darstellen, sondern nur eine sehr starke Annährung an den Vergleichslohn, als “Ultima Ratio” anzusehen ist und eine gesetzliche “Equal-Pay-Volllösung”, beispielsweise nach drei Monaten Beschäftigungszeit nicht nur die Zeitarbeit eindämmt, sondern auch die Wirtschaft mit noch höheren Kosten belasten und die Unternehmen in ihrer für die positive Konjunkturentwicklung wichtigen Flexibilität übermäßig einschränken wird. Daher muss der Gesetzgeber die Finger von einer Gesetzeslösung lassen!

Weitere Informationen hierzu:
»» Personaldienstleister:  Großer Zeitdruck bei Umorientierung auf neue Zeitarbeitsära

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Informationen zu Equal-Pay und Branchenzuschlägen in der Zeitarbeit:
»» Tarifvertrag über Branchenzuschläge M+E in der Zeitarbeit (TV BZ ME)
»» Zeitarbeitstarifvertrag Branchenzuschläge Chemie (TV BZ Chemie)

»» Zukunft der Zeitarbeit liegt in der Hand der Tarifvertragsparteien und wie diese …
»» NGG strengt als 3. Gewerkschaft Tarifvereinbarung über Branchenzuschläge an …
»» IGM-Vorstand stellt klar: Tarifvertrag über Branchenzuschläge keine Endlösung …
»» Equal-Pay und Branchenzuschläge: Zuwarten oder Handeln? Vorbereitung …
»» Equal-Pay: Was bedeutet “gleiches Geld”, welche Entgeltbestandteile zählen …

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Mehr über die neuen Tarifverträge Branchenzuschläge, deren Bedeutung und Auswirkungen, sowie die bevorstehende Equal-Pay-Einführung und die Umsetzung, vor allem im eigenen Betrieb und gegenüber den Entleihunternehmen, erfahren Sie von unseren Experten in unserem

Info- und Praxisseminar

Zeitarbeit: Der Weg zum sicheren und erfolgreichen Equal-Pay
“Vorbereitung auf die Einführung von Equal-Pay in Deutschland!”


Anmeldung

  ! Warten Sie nicht zu! – Informieren Sie sich!
Entleihunternehmen fordern Informationen über die Zukunft
…. Personaldienstleister müssen antworten und Lösungen anbieten !

Redaktion / Die Welt (28.06.2012) / FAZ (01.07.2012) 

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