Flexible Arbeitszeit: 50 % aller Beschäftigten verfügen über ein Arbeitszeitkonto – Überstunden nehmen ab

21. Februar 2012

Von flexibler Arbeitszeit profitieren sowohl Arbeitnehmer, unter anderem zur leichteren Vereinbarkeit von Familie und Beruf, als auch Arbeitgeber, vor allem zur besseren Orientierung der Arbeitszeiten an dem tatsächlich zunehmend stärker wechselnden Arbeitsanfall. – Arbeitzeitkonten sind für die Flexibilisierung der Arbeitszeit ein ganz wesentliches Instrument. In den letzten 20 Jahren hat sich die Zahl der Beschäftigungsverhältnisse mit Arbeitszeitkonten verdoppelt, so dass einer aktuellen Studie des Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB) zufolge zwischenzeitlich 50 % aller in Deutschland Beschäftigten über ein Arbeitszeitkonto verfügt. Gleichzeitig ist aber auch die Anzahl der Überstunden gesunken.

IAB-Studie: Flexibilität durch Arbeitszeitkonten und Überstunden
Die zur Beurteilung der Flexibilität des Arbeitsmarkts wichtige genaue Betrachtung der Arbeitszeit einschließlich bezahlter und unbezahlter Überstunden sowie so genannter transitorischer Überstunden, die durch Arbeitzeitkonten “abgefangen” und in Form von Freizeitausgleich gewährt werden, wird seitens der Arbeitsmarktforscher seit Jahrzehnten angestrebt, ist aber aufgrund mangelnder empirisch gesicherter Informationen bzw. Daten bis heute sehr schwierig. Die IAB hat nun – unter Heranziehung anderer Erhebungen – die Ermittlung der Flexibilität der Arbeitszeit anhand der Arbeitszeitkonten, deren Daten deutlich genauer zu ermitteln sind, vorgenommen und einige interssante Fakten herausgearbeitet.

Arbeitszeitkonten seit der Krisenzeit wieder aufgebaut
Wie die IAB bereits Ende Dezember 2011 mitteilte, belief sich die reguläre Arbeitszeit der Vollzeitbeschäftigten im dritten Quartal 2011 auf 38,17 Wochenstunden. Auf alle beschäftigten Arbeitnehmer in Deutschland bezogen waren vom vierten Quartal 2008 bis zum ersten Quartal 2010 durchschnittlich zwölf Stunden Zeitguthaben abgebaut worden. Seit dem zweiten Quartal 2010 wuchsen die Guthaben auf den Arbeitszeitkonten wieder an. Bis zum Ende des dritten Quartals stieg das Zeitguthaben wieder insgesamt um durchschnittlich 6,9 Stunden je Arbeitnehmer.

Zunahme von Arbeitszeitkonten – Abnahme bezahlter Überstunden
Seit 1991 stieg die Anzahl der Arbeitszeitkonten auf das Doppelte. Während 1991 nur 25 % aller Beschäftigungsverhältnisse mit Zeitguthabenkonten vereinbart wurden, waren es im Jahr 2011 bereits 50 %. – Wie die IAB in ihrer aktuellen Studie ermittelt hat, führt die Zunahme von Arbeitszeitkonten zu einem Bedeutungsverlust der bezahlten Überstunden, d.h. die sog. transitorischen Überstunden, die nicht ausbezahlt, sondern als Freizeitausgleich den Arbeitnehmern gewährt werden, steigen. – Während im Jahr 1991 noch durchschnittlich 1,2 bezahlte Überstunden pro Arbeitnehmer und Woche verzeichnet wurden, sank der Wert mittlerweile auf weniger als eine Stunde pro Woche, erläutert die IAB die Entwicklung, wobei der Wert im Jahr 2009 aufgrund der Finanz-/Wirtschaftskrise sogar bei nur 0,7 Stunden pro Woche lag.

»» IAB-Forschungsbericht 3/2012: Flexibilität am Arbeitsmarkt »»»

Redaktion / IAB    

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