IG Metall im Zugzwang: Über 97 % der Zeitarbeitnehmer fordern Tarifverhandlungen für mehr Lohn, Übernahme in Festanstellung und Weiterbildungsanspruch
Eigentlich wollten die DGB-Gewerkschaften die Haupttarifrunden abwarten, bevor sie über die von den Zeitarbeitgebern angestrebten Branchenzuschläge verhandeln. Während die Tarifrunden von Ver.di, IG Metall und IG BCE noch in der Vorbereitungsphase sind und ihre Forderungen in ihren eigenen Wirtschaftsbereichen artikulieren, hat sich nun jedoch vor einer Woche die IG Metall als erste der DGB-Gewerkschaften zur Tarifgesprächen in der Zeitarbeit am 22.02.2012 öffentlich bereit erklärt. Wie sich nun aus einer aktuelle Pressemitteilung der IG Metall ergibt, war es der Druck der inzwischen fast 40.000 Zeitarbeitnehmer, die Mitglieder bei der IG Metall sind und in einer Umfrage zu 97 % für die Aufnahme von Tarifverhandlungen mit den beiden Arbeitgeberverbänden BAP und iGZ votierten.
Zeitarbeitnehmer fordern fast einstimmig Tarifverhandlungen
Ab 22.02.2012 beginnen die Verhandlungen der IG Metall mit dem Bundesarbeitgeberverband der Personaldienstleister (BAP) und dem Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen e.V. (iGZ) im Raum Düsseldorf. Ziel ist es, so der Vorstand der IG Metall, Leiharbeiter zu fairen Bedingungen zu beschäftigen und fair zu entlohnen.
Dafür haben 97 % der insgesamt 4452 Leiharbeitnehmer, die an der im November 2011 durchgeführten Umfrage der IG Metall teilnahmen, der Gewerkschaften ein eindeutiges Mandat erteilt.
Ergebnisse der Umfrage und die Forderungen der Leiharbeitnehmer
Von den knapp 4.500 an der Umfrage beteiligten Zeitarbeitskräften waren 55 % bereits länger als ein Jahr im gleichen Einsatzbetrieb und über die Hälfte sogar bereits seit mindestens Oktober 2010. Insgesamt 96 % der Leiharbeitnehmer erklärten, sie seien auch bereit, sich aktiv in die Tarifrunde einzubringen. – Die Forderungen und Wünsche lauten:
- Aufnahme der Tarifverhandlungen durch die IG Metall (97 %)
- Übernahme in eine Festanstellung (98 %)
- Anspruch auf Weiterbildung, um eine besser bezahlte Tätigkeit zu finden (99 %)
Die Umfrage sieht die IG Metall als klaren Arbeitsauftrag, den sie mit einem Vorstandsbeschluss im Dezember 2011 umgesetzt habe. Wir werden daher, so Detlef Wetzel in seiner Rede auf der Jahrespressekonferenz am 20.01.2012 in Frankfurt/M., mit iGZ und BAP Verhandlungen über Branchenzuschläge und Einsatzzulagen in der Metall- und Elektroindustrie führen.
Ziel der IG Metall in der Zeitarbeitstarifrunde 2012
Aktuell äußerte sich der zweite Vorsitzende der IG Metall Detlef Wetzel zu den Zielen der Tarifverhandlungen mit den Arbeitgeberverbänden der Zeitarbeit, mit denen grundsätzlich ja noch bis Herbst 2013 laufende Tarifverträge bestehen.
Detlef Wetzel (IG Metall) zur Situation der Zeitarbeits-
tarifrunde 2012 (Jahrespressekonferenz 20.01.2012)
Bessere Arbeits- und Lebensbedingungen für alle Beschäftigten, das ist das Hauptziel. Doch gerade den “Betroffenen sichern diese niedrigen Löhne häufig keine menschenwürdige Existenz”, stellte Detlef Wetzel fest. Er begründete, warum die IG Metall nun in Verhandlungen mit den Zeitarbeitsverbänden tritt: “Mit einer tariflichen Regelung von Branchenzuschlägen in der Metall- und Elektroindustrie wollen wir einen wichtigen Zwischenschritt auf dem Weg zur gleichen Bezahlung erreichen”.
Lösungen der IG Metall auf dem Weg zu Equal-Pay
Verleihfirmen sollen zukünftig den Leiharbeitnehmern, die in Metallunternehmen eingesetzt werden, einen “Branchenzuschlag” auf ihr Entgelt bezahlen. Hinzukommen sollen Einsatzzulagen, die für Bereiche (d.h. Unternehmen, Regionen) gelten, in denen die Lohndifferenz zwischen den Entgelten der Stammbelegschaft und den Zeitarbeitnehmern so hoch sind, dass die Branchenzuschläge als Ausgleich hin zur Zahlung eines annährend vergleichbaren Lohns nicht ausreichen.
Tarifrunde mit IG Metall bringt Hoffnung, mehr aber noch nicht
Erleichterung bedeutet die Zusage des Vorstands der IG Metall an die beiden Zeitarbeitsverbände zur Aufnahme von Tarifverhandlungen zweifelsohne, doch mehr leider noch nicht. Weder ist ein Ergebnis derzeit absehbar, noch die Frage, inwieweit die anderen zur Tarifgemeinschaft des DGB in der Zeitarbeit zählenden Gewerkschaften entsprechende Lösungen für ihre Branchen verhandeln bzw. auch zeitnah zu Wege bringen. – Mit IG BCE hat der BAP – nach eigener Aussage – bereits Vorgespräche im letzten Jahr geführt. Offen sind dann aber noch immer Ver.di und die übrigen DGB-Gewerkschaften.
Völlig offen ist auch der Zeitfaktor und die Bereitschaft der Regierung bzw. des Bundesarbeitsministeriums entsprechende tarifliche Lösungen tatsächlich als Alternative zum gesetzlichen Equal-Pay-Diktat zu akzeptieren.
Redaktion / IG Metall











